Angst essen Seele auf (1974)

Angst essen Seele auf (1974)

Regie Rainer Werner Fassbinder

Kamera Jürgen Jürges

Filmhandwerklicher Blick

Warum dieser Film

Fassbinder schneidet diesen Film mit einer Langsamkeit, die wehtut. Die Einstellungen dauern länger, als sie sollten — und genau in dieser Überlänge liegt die Wahrheit. Das Unbehagen, das die Gesellschaft gegenüber Emmi und Ali empfindet, wird zum Unbehagen des Zuschauers, der in der Einstellung gefangen ist.

Schlüsselszenen zum Studieren

  • Emmi und Ali im Restaurant — die Kamera zeigt sie von hinten, allein im riesigen Raum, die Einstellung dauert unerträglich lang, die Einsamkeit wird fühlbar
  • Die Nachbarinnen im Treppenhaus — starr, schweigend, starrend, der Schnitt weigert sich zu kommen, ihr Urteil wird zum Urteil des Zuschauers
  • Emmis Arbeitskollegen wenden sich ab — eine langsame Montage des sozialen Sterbens, jede Einstellung ein weiterer Schritt der Isolation

Was du sehen lernen wirst

  • Verstehen, wie die Dauer einer Einstellung ein Werkzeug sozialer Kritik sein kann
  • Analysieren, wie der verweigerte Schnitt den Zuschauer zum Komplizen oder zum Zeugen macht
  • Fassbinders Montage-Ethik studieren — der Schnitt als moralische Entscheidung, nicht als technische

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